Miniaturen, so tief- und abgründig wie ganze Romane

Auch im Leben eines Autors gibt es Phasen (oder besser gesagt: Resultate von Phasen), an die er lieber nicht erinnert werden möchte. Darum verschweige ich hier auch das eine oder andere „Frühwerk“ aus meiner Feder. Keine Sorge – es hat nichts mit dem Verbotsgesetz oder dergleichen zu tun. Googlen (wenn es denn sein muss) verschafft Klarheit.

Aber da gibt es ja auch die Werke, auf die man stolz ist. Die gleich zu Beginn dieses kleinen Auszugs angeführte „Wiener Seele“ als Substrat einer solchen Phase zählt dazu. Da wurde mir erstmals die Ehre zuteil, an der Seite prominenter Autoren publizieren zu dürfen. Die da wären: Peter Henisch, Franzobel, Zdenka Becker, Klemens Renoldner, Cornelia Travnicek und viele mehr. Ich selbst schrieb für diese Anthologie unter Pseudonym. Aus sehr persönlichen Gründen (die ich nur persönlich darlege, bei einem Fläschchen vom Guten).

Und dann meldete sich auch noch eine renommierte Burgtheater-Schauspielerin, die für ein literarisches Audioprojekt ausgerechnet meine Geschichte (als einzige aus dem Buch) einlesen wollte … 

So schön kann schreiben auch sein.

Skurrilitäten aus der Stadt an der Donau

Die Wiener sind weder abstinenter noch nervöser als andere Großstädter. Die Geschlechtsbeziehungen sind etwas unbefangener, die Prüderie ist geringer als in den auf ihre Keuschheit stolzen Städten des Westens und Nordens.

Sigmund Freud

Der Wiener wird nicht untergehen, sondern im Gegenteil immer hinaufgehen und sich´s richten.“

Karl Kraus

Würde man die Wiener befragen, was sie von Wien halten, wären sie dagegen.“

Franzobel

Endlich ungestraft morden dürfen ...

Mord und Totschlag im Wiener Wurstelprater: 13 Krimiautoren (und innen natürlich) des Landes zünden hierin ein kriminelles Feuerwerk – und machen den Prater zum heißen Pflaster. Ein todbringendes Schaulaufen zwischen Riesenrad, Geisterbahn und Wachsfigurenkabinett. Mit von der mörderischen Partie neben vielen anderen: Edith Kneifl, Andreas Gruber, Gerhard Loibelsberger, Beate Maxian.

PS.: Aus dieser Kurzgeschichte – so viel sei hier verraten – hat sich mein dritter Roman „Tod einer Randnotiz“ entwickelt.

Keine Schonfrist für die "haute culture"

Ungeniert und frisch von der Leber weg wird auch im Wiener Burgtheater gemordet. Der Bogen über die Weltliteratur, den meine 12 Autorenkollegen/-innen und ich in stets heimtückisch-krimineller Absicht spannen, könnte kaum größer sein:

Mal geschieht es im Dunstkreis von Thomas Bernhard, dann wieder rund um Julius Cäsar. Mal bei Max Frisch, dann bei Molière. Shakespeare muss natürlich auch herhalten. Ein prominentes Licht löscht da dem anderen das Lichtlein aus – Einfallsreichtum und krimineller Energie der Meuchlerinnen und Meuchler sind kaum Grenzen gesetzt.

Hier schlägt das echte Leben zu!

220.000 Gemeindebauwohnungen gibt es in Wien über den Daumen. Dass hier, wo das echte Leben spielt, nicht immer alles so abläuft wie in der idyllisch-heilen Welt von Servus TV, versteht sich wohl von selbst.

Erpressung, Betrug und Mord verhelfen sich zu ihrem Recht, denn wie schon die EAV sang: „Das Böse ist immer und überall.“ Auch in der öffentlichen Sauna und der Sandkiste auf dem Kinderspielplatz.

A b´soffene Partie am Stadtrand?

Saddam von Oberlaa„. So lautet der Titel, den mein Beitrag in dieser Anthologie trägt. Untertitel: Tyrannentreffen im Gastgarten an der Liesing.

Damit ist schon vieles angedeutet – doch bei weitem nicht alles gesagt. Natürlich ist – wie so oft – nichts, wie es scheint. Nichts ist von Dauer, nichts von Bestand. Ausgenommen die Trinkfreude der Menschen. Und die malerische Kulisse im Süden Wiens … draußen, beim Bruckner Schurli, an den Wassern der Liesing im schönen Oberlaa.

Ach ja: Der „Saddam von Oberlaa“ findet auch Eingang in meinen Roman „Tod einer Randnotiz“ – wiewohl bloß am Rande.

Der Witwenmacher von Favoriten

Schräge Gestalten, bunte Vögel und windige Hunde – gerade nachts scharen sie alle sich vor den Würstelständen der niemals schlafenden Wienerstadt. Doch nicht ein jeder trachtet allein nach einer Wurst als Lebensretter vor dem totalen Rausch. Nein, mancher Kundschaft steht auch anderes im Sinn.

So zum Beispiel dem „Witwenmacher von Favoriten„. Frauenversteher und auch sonst eine illustre Figur, insbesondere, wenn es darum geht, die mit Abstand schärfste Currywurst der Stadt zu verdrücken und eine Wette um die andere zu gewinnen. Bis zu jenem Tag, wo der Wetteinsatz unvermutet ein gänzlich anderer ist.