Schreiben als Handwerk wie jedes andere auch?

„Mir sind alle Bücher zu lang“, soll Voltaire gesagt haben. Damit kommen wir an dieser Stelle aber nicht weiter. Ausgestattet mit jeder Menge (auch krimineller) Schreibenergie und mit der unbändigen Lust, noch viele (ja, auch lange!) Bücher schreiben zu wollen, halte ich es eher mit der guten, alten Agatha Christie., die da meinte: „Seit Lucrezia Borgia bin ich die Frau, die am meisten Menschen umgebracht hat, allerdings mit der Schreibmaschine.“ Und wo eine Agatha Christie ist, darf ein Sir Arthur Ignatius Canon Doyle, Arzt und geistiger Samenspender von Sherlock Holmes, nicht fehlen: „Der Kriminalschriftsteller ist eine Spinne, die die Fliege bereits hat, bevor sie das Netz herum webt.“

Das Netz herum weben. Genau. Schreiben ist weben. Eine Stück Handwerkskunst. Eine Fertigkeit, die Menschen nicht als Genieblitz vom Himmel herab in die Ganglien fährt und mit ausgefeilten Sätzen flutet … nein, diese Fertigkeit will hart erarbeitet werden. 90 Prozent auch literarischen Schreibens sind nichts als das: pures, grundehrliches, bodenständiges Handwerk. Der verbleibende Rest indes macht es aus: Er verwandelt ein Schreibwerk in Kunst, unterscheidet den mittelmäßigen Schriftsteller vom guten, den guten vom sehr guten und den sehr guten vom genialen.

Demut vor der Komplexität der Materie. Demut vor Menschen und ihren Geschichten. Demut vor der eigenen Unzulänglichkeit und Sprachlosigkeit. Doch bei alledem den Mut aufbringen, es täglich und mit jedem neuen Satz noch besser machen zu wollen.

Darin liegt für mich die Faszination des Schreibens. 

Willkommen im Sumpf aus systemischer Korruption

Vinzent Kluger hat es sich gut eingerichtet beim führenden Massenblatt „Die Gute“.  Als Chefreporter ist er gleichermaßen misanthropisch wie korrupt. Er jettet mit Politikern um die Welt, kennet alle miesen Tricks und Deals, kann sich die großen Storys aussuchen. Dann aber wecken mysteriöse Vorgänge bei Madame Tussauds noch einmal den Instinkt des alternden Zeitungsbluthundes: Da eine mysteriöse Figur, die an der Seite Peter Alexanders auftaucht und einem vermissten Perückenmacher aufs Haar gleicht. Dort ein Forscher, dessen Knochen in einer neuen Attraktion landen. Und mittendrin Bela, Klugers verflossene Liebe.

 

Kluger schluckt die ausgelegten Köder, prescht mit Exklusivstorys vorwärts und setzt das Räderwerk eines bitterbösen, auf Jahre ausgelegten Versteckspiels in Gang.

Mehrere Menschen sterben unter seinem Zutun – und so muss er sich letztlich den Fragen nach Moral, Schuld und Mitverantwortung stellen.

 

Ein Fantasy-Roman für Kinder und Jugendliche

Großstadtkind Jakob glaubt nicht an die alten Märchen und Geschichten. „Alles Unsinn!“, sagt er. Dann aber trifft er bei seiner Oma im Joglland auf Patritz, den sprechenden Lochstein. Patritz ist in Wahrheit ein verwunschener Bergknappe. Er nimmt Jakob und dessen erbittertste Gegenspielerin, die keppelnde Kathi, mit in die geheimnisumwobenen, unterirdischen Felsgänge der Region – und von dort weit zurück in die Vergangenheit.

 

Die Kinder und ihr neuer Freund erleben im Gestern alte Sagen und Mythen live mit, müssen den „blinden“ Drachen Sixtnix befreien und haben auch sonst eine Vielzahl von Prüfungen, Abenteuern und Gefahren zu bestehen. Aber werden sie die Geheimnisse der Vergangenheit tatsächlich lösen können? 

Es miteinander tun, kann ja jeder ...

Gemeinsam ein Buch zu schreiben, ist beinahe schon ein bisschen zu hip. Oder? Mein (leider viel zu früh verstorbener) Freund Werner Kopacka und ich taten es grundlegend anders: Wir schrieben – Schmäh ohne! – gegeneinanderDie (nachvollziehbare) Grundidee zum Plot (Politiker, Lateinlehrer und Journalist als Mordopfer) kam von Kopacka, der Vorschlag, es gegeneinander statt miteinander zu tun, nach vier bis sechs Flaschen Wein von uns beiden (oder waren wir da schon zu viert?).

 

Nicht der noch so winzige Handlungsstrang wurde im Vorfeld abgesprochen. Auch nicht die literarischen Figuren. Kopacka begann schreibend zu morden – ich selbst schrieb als Ermittler (und alle anderen Figuren) dagegen an. Ein Ping-Pong mit Buchstaben über eineinhalb Jahre.

 

Bis zuletzt war auch uns nicht klar, wer wen zur Strecke bringen würde. Klar war recht bald nur: Die steirische Spitzenpolitik braucht ein paar neue Gesichter – weil die alten die Erdäpfel von unten inspizieren. Sehen, wer gewinnt – so lautete unser erklärtes Ziel. Der Ermittler? Oder doch der Bösewicht? Ein literarisches Experiment – und zugleich ein toller Erfolg auf dem Buchmarkt.