Schüttelreim - die unterschätzte Königsklasse

Wikipedia kann so grauenvoll nüchtern sein, heißt es doch eingangs in der Definition dieser erlesenen Form von Dichtkunst:

Der Schüttelreim ist ein Doppelreim, bei dem die Einzelphoneme oder Konsonatencluster im Anlaut der letzten beiden betonten Silben miteinander vertauscht werden. Im Englischen wird die Methode als Spoonerismus bezeichnet, im Französischen als „contrepèterie“.

Brrr. Nur Sex mit dem blauen Superriesenzwerg Herbert K. oder ein Abendessen mit Donald Trump erscheinen mir noch abgeschmackter. Darum: Gehen wir doch lieber zur Praxis über. Schütteln = vertauschen wir die (Anlaute der) letzten beiden betonen Silben, sodass es (ein Allzeitklassiker und leider nicht von mir) heißt:

Du sollst ein krankes Nierenbecken
nicht mit zu kalten Bieren necken.
Auch sollte man bei Magenleiden
den Wein aus sauren Lagen meiden.

Oder auch, für alle Wien-Kenner:

Der einst die Hottentotten schor,
ist heut Frisör am Schottentor.

Wunderschön natürlich auch dieser vom großen Literaten Eugen Roth, der (Achtung, erste Sonderform) innerhalb von zwei Zeilen gleich doppelt schüttelt, nämlich:

Beim Saufen hocken Haferbrauer
im Haufen Socken braver Hauer.

Oder aber (wiewohl es sich bereits um die nächste einer Vielzahl von Sonderformen („Quasi-Schüttler“) handelt, weil es hier keine letzten beiden betonen Silben gibt), wenn der verzweifelte Schwammerlsucher in aller Kürze und Prägnanz in den Wald hineinschreit:

Wo bist – Bovist?“

Das Prinzip ist also klar, richtig? Immer noch der Meinung, der Schüttler wäre nur ein „billiger Abklatsch“ der hohen Poesie?

Dann darf ich zu meinen eigenen Miniaturen einladen – eine in der Tat winzige Auswahl nur von zigtausenden, die sich im Laufe der Jahrzehnte aufgedrängt haben:. Aber alles schön chillig – frei nach meinem persönlichen Wellness-Motto:

Sundowner – dann Sauna!